Das NatCap möchte eine Welt schaffen, in der der Wert der Natur nicht nur verstanden, sondern auch respektiert und in politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entscheidungen einbezogen wird. Dies soll nicht nur zum Erhalt der Umwelt beitragen, sondern auch soziale Gerechtigkeit fördern und die Lebensqualität der Menschen verbessern. Zusammengefasst möchte das Natural Capital Project ein Umdenken fördern, indem es zeigt, dass der Schutz der Natur nicht im Widerspruch zu wirtschaftlichem Fortschritt steht, sondern diesen sogar unterstützt.
Kann das Nature Capital Project die richtige Balance zwischen Ökonomie und Ethik finden?
Natur ist unbezahlbar. Es ist daher gut ihren Wert zu verstehen.

von Christine Ax
Natur ist unbezahlbar. Das ist klar. Und sie hat eine eigene Würde. Wie der Mensch. Dennoch ist es heute wichtig, den Entscheidern in Politik und Wirtschaft, die von allen Seiten unter Druck stehen, Argumente an die Hand zu geben, die es ihnen erlauben die Bedeutung der Natur für unsere Zukunft stärker in ihre Pläne und Betrachtungen einzubeziehen.
In der “Rights of Nature”-Community gibt es aus guten Gründen Vorbehalte gegen ökonomische Instrumente und die Bewertung der Natur in Euro und Dollar. Denn es geht heute an erster Stelle darum, der Eigenwert der Natur anzuerkennen, das anthropentrische Weltbild (und Recht) durch ein ökozentrisches Weltbild und Recht (Ökojurisprudenz) zu ersetzen. Das instrumentelle Denken durch das Prinzip des Convivialismus zu ersetzen. Denn die Natur ist niemals Mittel zum Zweck, sondern immer auch ein Zweck an sich selber.
Dennoch können ökonomische Betrachtungen der Natur manchmal eine wichtige Rolle spielen und in politischen und ökonomischen Entscheidungsprozessen einen Unterschied mache. Denn der ökonomische Blick auf die Gegenwart hat AUCH eine Berechtigung. Vor allem: Es ist noch immer das vorherrschende Paradigma.
Wie aber kann man die zentralen Aspekte des Themas im Auge behalten ohne auf ökonomische Argumente zu verzichten?
Mir scheint, dass das Nature Capital Project hier einen Weg aufzeigt, der begehbar ist. Anders als ökonomische Instrumente, die auf der betriebswirtschaftlichen Ebene ansetzen, und die Natur wie “Pfandbriefe” in eine austauschbares Format bringen, kapitalisieren und privatisieren, setzt das Natur Capital Project der Universität Standford auf den volkswirtschaftlichen Aspekt. Das hat nichts mit der Privatisierung der Erträge der Natur durch große Unternehmen gemeinsam.
Das Natural Capital Project (NatCap) ist eine internationale Forschungs- und Umweltinitiative, die sich darauf konzentriert, den Wert der Natur für Menschen, Wirtschaft und Gesellschaft sichtbar zu machen. Es handelt sich um eine Zusammenarbeit zwischen führenden Institutionen wie der Stanford University , der University of Minnesota , dem World Wildlife Fund (WWF) und The Nature Conservancy. Deutschland ist, wie es scheint, bisher nicht beteiligt.
Weitere Beispiele sind:
- Im Jiuzhaigou-Tal , einer berühmten Touristenregion in der Provinz Sichuan, wurden Nature Capital Modelle verwendet, um den Wert der natürlichen Schönheit und der ökologischen Dienstleistungen für die lokale Wirtschaft zu berechnen und nachhaltige Tourismusstrategien zu entwickeln. Mit Erfolg. Weitere Beispiele sind:
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Der Schutz von Küstenregionen durch den Schutz von Mangrovenwälder. Sie können Sturmfluten und Erosion abmildern. Mithilfe von NatCap-Tools können Entscheidungsträger den wirtschaftlichen Nutzen von Mangroven für den Küstenschutz bewerten und die Kosten rechtfertigen, diese zu erhalten.
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Die Planung städtischer Grünflächen. In Städten wie Singapur wurden NatCap-Daten genutzt, um grüne Infrastruktur zu fördern, die Lebensqualität der Bewohner zu verbessern und die Auswirkungen des Klimawandels zu verringern.
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Klimaschutz durch Wälder: In Zusammenarbeit mit dem WWF zeigt NatCap, wie Wälder CO₂ speichern und gleichzeitig wirtschaftliche Vorteile für lokale Gemeinden bringen können.